| Milla Jovoviich |
Inessa BLUM, Journalistin
Extra für «Prime Excursion Bureau»
Ihr voller Name wird in verschiedenen Quellen unterschiedlich geschrieben. Genauer zu sagen – nicht der Name, sondern die Namen. Milica Bogdanowna (mehr korrekter - Borgievna) nach russischer und ukrainischer Tradition; Milica Natascha in Tradition von Montenegro – nach ihrem Vater, liebliches Mädchen und Hollywooder „Retterin der Menschheit“ Milla – all dies ist unsere Landfrau, Kiewerin namentlich Jovovich.
Aus der Stadt Kiew…
Ihren Ruf und Image „teilen“ zwischen sich Serbien und Montenegro, Ukraine und Russland - jedes von diesen Ländern zählt die langbeinige Heldin von „Heim des Böses“ und des „Fünften Elements“ zu dem Panthéon eigener Landsleute. Und tatsächlich im Millas Stammbaum vermischte sich das südslawische Blut mit dem ostslawischen und als Ergebnis dadurch – die sexuellsten Parameter von Hollywood: Höhe 174 cm, 81-61-86, braunes Haar, blaue Augen. Und dazu noch - Linkshänderin.
Milla wurde im Dezember 1975 in Kiew geboren. Sie ist die Tochter der bekannten sowjetischen Schauspielerin Galina Loginova und des Kinderarztes aus Montenegro (damals Jugoslawien) Borgi (Bogdan) Jovovich. Die kleine Miliza lebte nicht lange hinter dem „eisernen Vorhang“ – schon 1979 wanderte das Mädchen mit den Eltern zuerst nach London und dann USA aus. Frau Loginova und ihr Gatte Jovovich hofften in angelsächsischen Ländern auf ein „promptes Glück“, das irgendwie eigenartig kam: 1980 waren sie in Dienerschaft beim Regisseur Brian de Palma tätig. Doch „gibt es auch Glück im Unglück“ – hier wurde Milla zum erstenmal gefilmt. De Palma pflegte seine Partys filmen und hübsche Tochter seiner Dienerschaft gewöhnte sich seit Kindheit an die lärmende und schockierende Welt von Kino- Bohème.
In der Kindheit hatte Milla eine ganze Menge von Schwierigkeiten und Beleidigungen zu überstehen, wie es für viele Hollywoods Sterne üblich war. Es könne schon ein Film über ihre Person und ihre Laufbahn gedreht werden. Die „sowjetische“ Herkunft kostete ihr ständigen Spott und Hohn seitens Mitschüler. Milla lernte in Amerika in der Epoche des „kalten Krieges“ als Sowjetunion offiziell zum „Imperium des Bösen“ erklärt wurde. Deshalb hatte sie in der Schule den Spitznamen „Spion (-in)“ und „Kommunistin“. Sie hatte auch was von anderen Mädchen abgekriegt, die sie um ihr Äußeren beneidet hatten. Darum besuchte Milla die Schule ungern und bevorzugte die Ausbildung in den Branchen, für die sie sich interessierte. Eine kolossale Rolle im Schicksal der Tochter hat die Millas Mutter Galina Loginova gespielt, indem sie ihre eigenen, unrealisierten Ambitionen in die langbeinige Tochter „investiert“ hatte.
Mamas liebes Kind Milla
Die Schauspielerin Loginova, die durch Teilnahme in einigen sowjetischen Filmen und Fernsehserien bekannt wurde, konnte ihre Karriere in Amerika nicht fortsetzen: der Akzent störte. Diese trostlose Tatsache begreifend, hat sie ihren ganzen Kraftaufwand in Promotion der Tochter eingelegt. In der Tat ist Milla die Mamas Tochter, Schöpfung mütterlicher Anstrengungen, die zielstrebig den zukünftigen Filmstar erzogen haben. Für ihr Kind sparte Galina kein Geld an die Musik- und Tanzstunden sowie die der Schauspielmeisterschaft, was die ersten Früchte brachte, als Milla 11 Jahre alt war. 1986 wurde Milla für das Magazin-Cover der italienischen Zeitschrift „Lei“ aufgenommen. Damit begann ihre Fotomodel-Karriere, denn Millas Akzeleration ließ ihr schon damals etwas älter aussehen. Das Äußere der slawischen Nymphete wurde „im vollen Gange“ von Zeitschriften benutzt – allein 1989 erschien Milla auf Magazin-Covers von 15 Auflagen und wurde sogar Heldin eines Skandals.
Der Redakteur einer davon ließ ihr Foto entfernen nachdem er das Alter des jungen Fotomodels erfuhr. Dies hatte ausgiebige Diskussionen in amerikanischen Talk-Shows auslöst, welche die Korrektheit der Heranziehung von Minderjährigen zum Show- Business betraf.
„Mondaufgang“ und das „Fünfte Element“
Solange an Talk-Shows gestritten wurde, pflegte sich Milla in Show- Business-Welt einzuleben. Im Alter von 13 Jahren wurde sie zum ersten mal im Kino gedreht – es war das bekannte erotische Melodrama „Two Moon Junction“ 1988. Milla spielte gewiß nicht die Hauptrolle, sondern die jüngste Schwester der Hauptheldin (Schauspielerin Sherilyn Fenn). Das war jedoch für die junge Schönheit ein ganz guter Anfang. Milla wurde angenehm aufgefallen. Die erste Hauptrolle erhielt die 16-jährige Schauspielerin 1991 im exotischen Film „ Rückkehr in die Blaue Lagune“ und dabei nackt. Nach diesem Film ist Milla im „Visier“ von Producers und Regisseurs geblieben – noch ein potentieller Stern ist aufgestiegen. Mittlerweile vergeudete das Fräulein die Zeit nicht umsonst und entschied für sein Privatleben zu sorgen, indem 17-järige Schauspielerin den Schauspieler Shawn Andrews während Dreharbeiten des Filmes „Betäubt und verwirrt“ kennen gelernt hatte. Das Pärchen ließ sich heimlich in Las Vegas trauen und einige Tage später bestand Millas Mutter auf Ehescheidung: nach Kalifornien-Gesetzen sollen die Eltern die endgültige Entscheidung bezüglich der Ehe treffen, wenn die Neuvermählte noch nicht 18 Jahre alt ist.
Nach so einem Rüffel seitens Mutter, begriff Milla, dass die höchste Zeit ist sich der elterlichen Obhut zu entziehen. Und sie fuhr für zwei Jahre nach Europa. Hier entdeckt sich unsere Kiewerin als Musikantin. Sie betrat die Bühne im Bestand eigener Gruppe „Plastic Has Memory“ und veröffentlicht das Album „Divine Comedy“ im Folk- und Soft-Rock-Stil. Dieses Album enthält einige russischen Songs und ein ukrainisches Lied „Auf der Wiese“.
Dann kam das Jahr 1996, welches für Milla als Revolutionsjahr galt. Im Jahr ihrer Volljährigkeit wurde sie im Film „Das fünfte Element“ des französischen Regisseurs Luc Besson gedreht. Die Rolle einer attraktiven Außerirdische in exotischer Kleidung von Jean-Paul Gaultier gewährte Milla nicht nur eine sichere „Einweisung“ in die Welt des großen Weltkinos, sondern auch den zweiten (den ersten „echten“) Ehemann in der Person von selbst Maestro Besson.
Französische Periode
Die Ehe mit dem Regisseur Luc Besson dauerte nicht lange. Er hat doch noch einen Film „Jeanne d`Arc“ mit seiner jungen Frau in der Hauptrolle gedreht. Ungeachtet dessen, dass die beiden Werke des verliebten Franzosen (insbesondere „Jeanne“) einer harten Kritik unterzogen wurden und seine Muse dadurch mit der „Goldenen Himbeere“ „verehrt“ wurde, haben die Ehejahre mit Luc Besson vieles Milla gegeben. Vor allem hat sie die französische Filmindustrie kennen gelernt, die zweifellos eine der besten in Europa ist. Diese hat sich in 1990-en heftig amerikanisiert (auch dank Regisseur Luc Besson), bewahrte eigentlich noch den Charme der nationalen Schule. Zweitens, wurde Milla zu einer bekannten Person in Show- Business nicht nur (genau zu sagen, nicht soweit) in Amerika, sondern auch in Europa. Frankreich wurde ihre zweite „Berufsheimat“ – hier nahm sie in der Werbungskampagne Revlon „Die unvergesslichsten Frauen weltweit“ teil. Sie schloss die Verträge mit Firmen „Hugo Boss“, „Guess“, „Calvin Klein“ ein, und ihre Gages erreichten 3000 USD je Tag. Seit 1988 wurde Jovovich zum „Gesicht“ der Marke „L'Oreal“ und wurde 2004 als das hochbezahlte Modell dieser Marke anerkannt. Später wurde sie in Kooperation mit Modell Carmen Hawk zur Mitbegründerin der Kleidungslinie „Jovovich-Hawk“.
Hooliganin und Intellektuelle von Hollywood
2000 erschien Milla in einem neuen Film zusammen mit Mel Gibson. Es geht um Streifen des Regisseurs Wim Wenders „Hotel „Million Dollars“. Der nach Szenario des berühmten Musikanten Bono gedrehte Film wurde mit dem Hauptpreis des Festivals „Goldener Bär“ ausgezeichnet. Dann folgten vier Thriller-Serien über den Kampf mit Zombies „Böses Heim“, wo Milla, nach ihrer Aussage, eine für sich neue Gestallt spielte: „eine Jungfer im Minirock, die in Tunnel herumläuft und schießt auf alles, was sich bewegt“. Die Rolle einer „Kriegerin“ passt Milla eigentlich traditionell seitdem sie in Filmen „Das fünfte Element“ und „Jeanne d`Arc“ gespielt hatte. Danach probiert/erprobt sie sich in Thrillers „Ultraviolet“ und „45- Kaliber“ und im Horrorfilm „Die vierte Art“. In der zweiten Hälfte 2000-er normalisierte sich allmählich das Privatleben der Schauspielerin – dabei auch dank ihrer Zustimmung als „Zombies-Vernichterin“ weiter gefilmt zu werden: 2007 hat sie die Tochter Ewe Gabo vom Regiseur des Streifens „Böses Heim“ Paul Anderson geboren. 2009 haben sie ihre Beziehungen legitimiert.
Unter den Hollywoods Stars hat Milla den Ruf einer Intellektuellen. Vielleicht dadurch behält sie das Image eines Menschen mit der geheimnisvollen slawischen Seele. Dennoch kann man ihr das Talent nicht nur mit dem Gesicht, sondern auch mit dem Kopf zu arbeiten nicht absprechen. Milla komponiert, ist mit der europäischen und der russischen Musik und Literatur vertraut und gilt in Hollywood beinahe als „Sachverständige“ in Bezug auf ex-sowjetischen Raum – denn wem, als nicht ihr die Besonderheiten der einheimischen Mentalität bekannt sind? Auf ihre slawischen Wurzeln ist Milla natürlich sehr stolz und schreibt diesen ihr Temperament, Schönheit und Hartnäckigkeit zu. „Meine Willenskraft, die ich in mir spüre, bin ich vollkommen meiner Herkunft zu verdanken“ — sagt sie immer, wenn es um ihre Herkunft geht.
Rückkehr zu „Wurzeln“
Im letzten Jahrzehnt kann man sie immer häufiger im Heimatland sehen – sie wird in Russland und in der Ukraine gefilmt, besucht verschiedene Veranstaltungen. So, im August 2005 war sie in „historischer Heimat“ Kiew, besuchte das berühmte internationale Jugendferienlager „Artek“ zu dessen 80-en Jahrestag. 2010 wurde sie im russischen Film „Wikrutasy“ (Verschnörkelung) mit einheimischen Schauspielern K. Khabensky und I. Urgant gedreht, nachdem traf sie nochmals in Moskau zur Premiere des Filmes ein. 2011 nahm sie im Konzert in Donezk teil, das anlässlich des 75-en Jahrestages des Fußballklubs „Schachtjor“ (Bergarbeiter) veranstaltet wurde.
An die ukrainische Hauptstadt ihrer Kindheit erinnert Milla dunkel, denn als kleines Kind verließ sie Kiew. Im Gedächtnis sind der Kindergarten, der Hund, mit dem sie spielte, geblieben sowie die Einkäufe auf dem Markt mit Mutter. Deshalb hat sie die Stadt für sich aufs Neu entdeckt. „Kiew ist sehr schön, ich habe sogar nicht gedacht, dass so sehr. Ich würde gerne hier gedreht werden“ — sagte sie noch 2005. Damals wurde sie mit dem traditionellen Besichtigungsprogramm vertraut gemacht: Andreas-Abstieg, Freilichtmuseum in Pirogovo, Bulgakov-Museum. Sie kaufte gerne eine ukrainische Bluse, Umschlagtuch und noch einige Souvenirs…
* * *
Die schöne Kiewerin Milla verfügt noch über keinen „Oscar“. Sie kann doch ihre goldene Statuette höchstwahrscheinlich schon im nächsten Jahrzehnt kriegen, wenn man an ihren Willen, Temperament und Zielbewusstsein denkt. Wichtiger ist anderes: dank ihrer Abstammung, Sprachkenntnissen und Offenheit allem neuen gegenüber, erfüllt Milla noch eine Mission, die mit „Sonderaufgaben“ ihrer „kriegerischen“ Filmheldinnen ebenbürtig ist. Sie bringt die Völker und deren Kulturen zueinander näher. Und wir sind auf ihre Erfolge auf dem Kinoolymp stolz. Wir hegen die Hoffnung Milla auch in ukrainischen Filmen zu sehen…
August 2011
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